Ein Wegweiser durch die Trauer, von René Hentschel, Trauerhilfe Hentschel in Markranstädt bei Leipzig.
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, verändert sich von einem Moment auf den anderen alles. Vielleicht fühlen Sie sich wie betäubt, vielleicht überrollt Sie der Schmerz in Wellen, vielleicht wechseln sich beide ab. All das gehört zur Trauer. Und all das ist richtig, auch wenn es sich manchmal falsch anfühlt.
Seit über 20 Jahren begleite ich Familien in Markranstädt, Leipzig und der Umgebung durch die Zeit des Abschieds. Aus dieser Erfahrung weiß ich: Trauer folgt keinem Fahrplan. Trotzdem hilft es vielen Menschen zu verstehen, welche Phasen die Trauer durchlaufen kann und was in jeder dieser Phasen guttut. Genau darum geht es in diesem Beitrag. Er ersetzt keine persönliche Begleitung, aber er kann Ihnen Orientierung geben und Sie daran erinnern, dass Sie mit Ihrer Trauer nicht allein sind.
Trauer ist die natürliche Antwort der Seele auf einen Verlust. Sie ist keine Krankheit, sondern ein Heilungsprozess. Wenn wir trauern, begreifen wir nach und nach, dass ein Mensch nicht mehr da ist, wir nehmen Abschied und finden mit der Zeit einen Weg, mit dem Verlust weiterzuleben. Die Erinnerung bleibt, doch der Schmerz verliert langsam seine Schärfe.
Wichtig ist: Trauer verläuft bei jedem Menschen anders und braucht unterschiedlich viel Zeit. Manche trauern einige Monate intensiv, andere begleitet der Verlust über Jahre. Häufig kommt die Trauer in Wellen. An einem Tag scheint es leichter, am nächsten wirft eine Kleinigkeit, ein Lied, ein Geruch, ein Datum, Sie wieder zurück. Auch das ist normal. Trauer zu verarbeiten heißt nicht, den Menschen zu vergessen, sondern ihm einen neuen Platz in Ihrem Leben zu geben.
Fachleute beschreiben den Trauerprozess seit Langem in Phasen. Zwei Modelle werden dabei am häufigsten genannt. Sie sind hilfreich, um die eigenen Gefühle einzuordnen. Verstehen Sie sie aber bitte als Landkarte, nicht als Stundenplan. Die Phasen überschneiden sich, wiederholen sich, manche werden übersprungen, andere mehrfach durchlebt.
Die fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross
Die schweizerisch-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross beschrieb fünf Phasen: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Ursprünglich beobachtete sie diese bei schwer kranken Menschen. Später wurde das Modell auch auf trauernde Angehörige übertragen und ist heute das bekannteste überhaupt.
Die vier Phasen nach Verena Kast
Die Schweizer Psychologin Verena Kast entwickelte ein Modell, das speziell den Trauerprozess von Hinterbliebenen beschreibt. Es umfasst vier Phasen: das Nicht-wahrhaben-Wollen, die aufbrechenden Emotionen, das Suchen und Sich-Trennen sowie den neuen Selbst- und Weltbezug. Weil dieses Modell so gut zur Situation von Trauernden passt, führe ich Sie im Folgenden daran entlang und zeige für jede Phase, was konkret hilft.
Phase 1: Nicht-wahrhaben-Wollen
Kurz nach der Todesnachricht stehen viele Menschen unter Schock. Es fühlt sich unwirklich an, als würde man neben sich stehen. Manche funktionieren erstaunlich reibungslos und organisieren alles Notwendige, spüren dabei aber kaum etwas. Andere sind wie erstarrt. Diese Betäubung ist ein Schutz der Seele, der Sie vor dem vollen Ausmaß des Schmerzes bewahrt, bis Sie ihn tragen können.
Was in dieser Phase hilft
Phase 2: Aufbrechende Emotionen
Nach Stunden, Tagen oder Wochen bricht der Schutz auf und die Gefühle kommen mit voller Wucht: tiefe Traurigkeit, Wut, Verzweiflung, oft auch Schuldgefühle und die quälende Frage nach dem Warum. Viele erleben in dieser Zeit Schlaflosigkeit, innere Unruhe und Erschöpfung. Diese Phase kann, je nach Nähe zum Verstorbenen, Wochen, Monate oder länger dauern. Auch wenn sie sich endlos anfühlt, ist sie ein notwendiger Teil der Heilung.
Was in dieser Phase hilft
Phase 3: Suchen und Sich-Trennen
In dieser Phase setzen Sie sich innerlich mit dem verstorbenen Menschen auseinander. Sie suchen Orte der Erinnerung auf, lassen gemeinsame Erlebnisse noch einmal lebendig werden, führen vielleicht innere Gespräche. Es ist ein Hin und Her zwischen Festhalten und Loslassen. Nach und nach entsteht daraus eine neue, tragfähige Form der Verbindung, eine, die den Menschen in der Erinnerung bewahrt, ohne dass Sie im Schmerz stehen bleiben.
Was in dieser Phase hilft
Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug
Mit der Zeit tritt die Trauer in den Hintergrund. Der Verlust ist angenommen, er gehört nun zu Ihrer Lebensgeschichte. Sie beginnen, den Alltag wieder selbst zu gestalten, knüpfen neue Verbindungen und erlauben sich wieder Freude. Der verstorbene Mensch ist nicht vergessen. Er ist zu einer Erinnerung geworden, die Sie in sich tragen, ohne dass sie Sie niederdrückt.
Was in dieser Phase hilft
Trauer belastet nicht nur die Seele, sondern den ganzen Körper. Der Verlust ist eine extreme Stresssituation, auf die der Organismus mit sehr realen Beschwerden reagieren kann. Zu den häufigsten gehören:
Der Grund dafür liegt auch in der Biologie: In der Trauer schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Das kann das Immunsystem schwächen und den Blutdruck steigen lassen. In seltenen, sehr belastenden Fällen kann sogar das sogenannte Broken-Heart-Syndrom auftreten, eine vorübergehende, stressbedingte Schwächung des Herzmuskels. Nehmen Sie körperliche Beschwerden ernst und suchen Sie bei anhaltenden oder starken Symptomen ärztlichen Rat. Beruhigende pflanzliche Mittel wie Baldrian oder Melisse können in Absprache kurzfristig unterstützen, ersetzen aber keine ärztliche Abklärung.
Unabhängig davon, in welcher Phase Sie sich gerade befinden, gibt es einige Dinge, die vielen Trauernden helfen. Betrachten Sie es als Angebot, nicht als Pflichtprogramm. Nehmen Sie, was für Sie passt.
Und noch etwas: Menschen trauern unterschiedlich. Viele Frauen suchen eher das Gespräch und den Ausdruck von Gefühlen, viele Männer verarbeiten den Verlust stärker über Handeln, Arbeit oder Aktivität und ziehen sich zurück. Keiner dieser Wege ist richtiger als der andere. Entscheidend ist, dass jeder seinen eigenen Weg gehen darf und dabei anerkannt wird.
In den allermeisten Fällen findet die Trauer mit der Zeit von selbst ihren Weg, auch wenn das lange dauern kann. Manchmal jedoch gerät der Prozess ins Stocken. Fachleute sprechen dann von einer anhaltenden oder prolongierten Trauerstörung. Anzeichen dafür können sein:
Solche anhaltende Trauer lässt sich manchmal schwer von einer Depression unterscheiden, denn die Beschwerden ähneln sich. Wichtig ist vor allem eines: Wenn Sie das Gefühl haben, allein nicht mehr weiterzukommen, oder wenn Angehörige sich ernsthaft Sorgen machen, ist es ein Zeichen von Stärke, sich Unterstützung zu holen. Trauer, die zu schwer wird, muss niemand allein tragen.
Wo Sie Unterstützung finden
Trauerbegleitung. Speziell ausgebildete Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter unterstützen Sie einfühlsam. Gern nenne ich Ihnen passende Anlaufstellen in Leipzig und der Region.
Selbsthilfegruppen. Der Austausch mit Menschen, die Ähnliches erleben, tut vielen gut und nimmt das Gefühl, allein zu sein.
Psychotherapie. Bei anhaltender Belastung hilft eine Therapie mit Schwerpunkt Trauer und Verlustverarbeitung. Die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse.
Seelsorge und Hospize. Auch kirchliche Seelsorge und Hospizdienste bieten Begleitung an, unabhängig von der Konfession.
Telefonseelsorge. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.
Vielleicht lesen Sie diesen Text, weil ein Mensch in Ihrem Umfeld trauert und Sie ihm helfen möchten. Das Wichtigste vorweg: Lassen Sie ihn nicht allein, gerade auch dann, wenn die erste Anteilnahme anderer nachlässt und der Alltag zurückkehrt.
Trauer ist der Preis der Liebe. Sie zeigt, wie viel ein Mensch Ihnen bedeutet hat. So schwer die Zeit auch ist, sie geht vorbei, und die Erinnerung darf bleiben. Geben Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und nehmen Sie Unterstützung an, wo sie Ihnen guttut.
Als Bestatter in Markranstädt und Leipzig begleite ich Familien nicht nur bei der Organisation des Abschieds, sondern stehe ihnen auch darüber hinaus zur Seite. Wenn Sie Fragen haben oder eine Anlaufstelle für Trauerbegleitung in der Region suchen, sprechen Sie mich gern an. Im Trauerfall bin ich rund um die Uhr für Sie erreichbar. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.
Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Manche trauern einige Monate intensiv, andere begleitet der Verlust über Jahre. Die Dauer hängt unter anderem von der Nähe zum Verstorbenen und den Umständen des Todes ab. Einen festen Zeitraum gibt es nicht, und Druck von außen hilft niemandem.
Am bekanntesten sind die fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Speziell für Trauernde beschreibt Verena Kast vier Phasen: Nicht-wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen sowie einen neuen Selbst- und Weltbezug. Diese Phasen verlaufen nicht streng nacheinander, sondern überschneiden sich und wiederholen sich.
Es gibt kein Patentrezept, aber vieles tut gut: die Gefühle zulassen, mit vertrauten Menschen sprechen, aufschreiben, was Sie bewegt, Rituale pflegen, sich bewegen und geduldig mit sich sein. Was in welcher Phase besonders hilft, haben wir in diesem Beitrag Schritt für Schritt beschrieben.
Ja, das ist typisch. Trauer verläuft selten gleichmäßig. Oft folgt auf einen leichteren Tag wieder ein sehr schwerer, ausgelöst durch eine Erinnerung, ein Datum oder eine vertraute Situation. Diese Trauerwellen lassen mit der Zeit meist an Wucht nach.
Trauer selbst ist keine Krankheit, sondern ein natürlicher Prozess. Sie kann sich aber körperlich bemerkbar machen, etwa durch Schlafstörungen, Erschöpfung oder Magen-Darm-Beschwerden. Wird Trauer über sehr lange Zeit nicht verarbeitet, kann daraus eine anhaltende Trauerstörung entstehen, die professionelle Hilfe braucht.
Wenn der Schmerz auch nach vielen Monaten unvermindert stark bleibt, Sie den Verlust gar nicht annehmen können oder Ihren Alltag über lange Zeit nicht mehr bewältigen, sollten Sie sich Unterstützung holen. Anlaufstellen sind Trauerbegleitung, Selbsthilfegruppen, Psychotherapie sowie die kostenlose Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.
Trauerhilfe Hentschel · Bestatter in Markranstädt und Leipzig
Hordisstraße 3, 04420 Markranstädt · Im Trauerfall 24/7 telefonisch erreichbar unter 034205 291504
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Beratung.